Landesrat der Eltern Brandenburg
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Mehr Studienplätze für Lehrkräfte? Unis sind skeptisch!

Die Unis in Berlin und Potsdam haben skeptisch auf das Ansinnen von Politik und Elternschaft reagiert, die Anzahl der Plätze für Lehramtsstudenten deutlich zu erhöhen.

„Mit dem versprochenen Mittelzuwachs wäre es unmöglich, die Zahl der Absolventen pro Jahr … auf jetzt verordnete 2000 zu steigern.“ verlautet es aus HU und FU (pnn 2.11.2016, S.20)

Der Vize-Präsident der Uni Potsdam geht sogar noch weiter. „Grundsätzlich“ bilde seine Uni nicht zu wenig aus. „Es kann natürlich sein, dass aktuell, wenn viele Lehrer in den Ruhestand gehen, die Potsdamer Absolventen nicht ausreichen“.

Er hält ein kurzfristiges Hochfahren der Studentenzahlen nicht für möglich, warnt vor „Überkapazitäten“ und verweist auf die Fluktuation in den Bundesländern. Die Fehler der Vergangenheit sieht er nicht bei der Uni, sondern bei der „Landespolitik“. Grundsätzlich wäre die Uni aber bereit, bei entsprechenden „Entscheidungen“ der Politik, mehr Lehrkräfte auszubilden, „Lehrerbildung“ sei schließlich „unser Kerngeschäft“.

Eine Pädagogische Hochschule lehnt er ab, „weil sie der Wissenschaftlichkeit der Lehrerbildung keine Rechnung trägt“. (pnn 2.11.2016, S. 21)

 

 

Mein Kommentar zum Interview mit Herrn Musil:

Zunächst einmal freut es mich, dass Herr Musil, Vizepräsident der Uni Potsdam, Lehrerbildung als Kerngeschäft ansieht und auch grundsätzlich bereit, bei entsprechenden Vorgaben der Politik mehr Lehrkräfte auszubilden.

 

Allerdings geht er nicht auf den Ernst der Lage ein. Weder Berlin noch Brandenburg waren in der Lage, ausreichend Lehrkräfte für das begonnene Schuljahr zu finden, so dass in erheblichem Umfang Quereinsteiger eingestellt werden mussten. Es sieht alles danach aus, dass sich die Lage in den nächsten Jahren verschärft. Die bisherigen Überkapazitäten aus Bayern und Baden-Württemberg werden voraussichtlich nicht mehr wie bisher zur Verfügung stehen.

 

Angesichts dieser Situation davor zu warnen, „vorschnell groß hochzufahren“ und „langfristig Überkapazitäten [zu] schaffen“ ist eine Botschaft zur Unzeit. Wir haben genau das gegenteilige Problem, nämlich Unterkapazitäten bei der Lehrkräfteausbildung.

 

Herr Musil verweist auf die Fluktuation zwischen den Bundesländern. „1000 Absolventen wären nicht 1000 neue Lehrer für das Land.“ Richtig, aber wenn alle Bundesländer in der Vergangenheit zu wenig ausgebildet hätten, wären Unterversorgung und Bildungsnotstand schon längst Realität.

 

Er sagt, es sei ein „wichtiger Weg“, Lehrkräfte „aus anderen Bundesländern anzuziehen“ und ignoriert, dass das in Zukunft so nicht mehr möglich ist, da in allen Bundesländern Lehrkräftemangel herrscht.

 

Er übt harsche Kritik an dem Konzept der Pädagogischen Hochschulen. Gleichzeitig empfiehlt er, Lehrkräfte aus anderen Bundesländern anzuwerben – Lehrkräfte, die teilweise an Pädagogischen Hochschulen ausgebildet wurden. Das erscheint unglaubwürdig.

 

Die Uni Potsdam hat sich in der Vergangenheit einen guten Ruf bei der Lehrkräfteausbildung erworben. Umso enttäuschender ist es, dass detailliert gegen eine weitere Erhöhung der Ausbildungsplätze argumentiert wird, ohne die Dringlichkeit der Kapazitätenausweitung anzusprechen.

Wolfgang Seelbach, 2.11.2016

2016/17: Anzahl Seiteneinsteiger

Auf Nachfrage des Landeselternsprechers erhielten wir vom MBJS eine differenzierte Antwort zur Seiteneinsteigersituation Schuljahr 2016/17:

"Der Begriff „Seiteneinsteiger“ wird unterschiedlich gebraucht: Oftmals werden darunter alle Lehrkräfte verstanden, die keine abgeschlossene Lehramtsausbildung haben. Es gibt aber Eingestellte, die zwar (noch) keine abgeschlossene Lehramtsausbildung haben, in gewisser Weise aber noch in der Ausbildung sind (z.B. Bachelor-Abschluss). Bei den Seiteneinsteigern ist weiterhin zu unterscheiden, ob ihre bisherige Ausbildung einen Seiteneinstieg durch Weiterqualifizierung erlaubt (z.B. Diplom-Sportlehrer) oder nicht (z.B. Kindergärtnerin).

 

Unter den 1.107 Einstellungen (unbefristete Neueinstellungen und Entfristungen) waren 867 voll ausgebildete Lehrkräfte mit Lehramtsbefähigung und 240 ohne Lehramtsbefähigung. Von diesen 240 befinden sich 64 Personen noch in der Ausbildung, für 103 Personen ist der Seiteneinstieg möglich und für 54 Personen ist der Seiteneinstieg nicht möglich. Weitere 19 (von den 240) Personen werden als pädagogische Unterrichtshilfen eingesetzt und benötigen daher keine Lehramtsbefähigung."

Petition "Wir brauchen mehr Lehrer".
Stellungnahme des LER:

 

Lothar Clauder, Mitglied einer Elterninitiative aus Barnim, hat kürzlich eine Petition gestartet, die unter folgendem Link einzusehen ist:

https://www.openpetition.de/petition/online/wir-brauchen-mehr-lehrer-an-brandenburger-schulen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen

 

Der Landeselternrat (LER) hat sich auf seiner Sitzung am 25.6.2016 nach einem Vortrag von Lothar Clauder mit der Petition auseinandergesetzt und gibt dazu folgende Erklärung ab:

 

„Der LER unterstützt das Anliegen der Petition, insbesondere Punkt 1, die Forderung nach mehr Ausbildung von Lehrkräften. Denn 300 Studienplätze bei jährlich ca. 1000 Neueinstellung ist viel zu wenig. Unsere Forderung nach Aufstockung von Lehramtsstudienplätzen mit dem Link zur Petition wurde deshalb auf die Internetseite gestellt.

Allerdings lehnen wir die Punkte 2 und 3 in dieser Form ab.

 

Die Priorität der Fachbezogenheit bei Vertretungen ist insbesondere für Grundschulen die falsche Festsetzung. Den Schulen soll die Kriterienfestsetzung weiterhin selbst überlassen werden. In den ersten Jahrgängen ist der Personenbezug oft wichtiger als die Fachausbildung bei Vertretungsunterricht.

Die zusätzlichen Stellen sollen Unterricht verbessern und kleinere Klassenfrequenzen ermöglichen. Insbesondere sollten bei den Hauptfächern in inklusiven Klassen zwei Fachkräfte im Unterricht sein. Sonderpädagogikfachkräfte sollen keine Löcher in der Unterrichtsorganisation stopfen, sondern sich auf ihre Kernaufgaben bei der individuellen Förderung konzentrieren.

Eine zu hohe Aufstockung der Vertretungsreserve führt häufig zu „Bereitschaftsdiensten“, in denen Lehrkräfte auf Abruf stehen, aber nicht unterrichten. Der Krankenstand schwankt je nach Monat extrem von ca. 0% im September zu 20 oder 30% z.B. im Februar.
Deshalb fordern wir mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit von Lehrkräften.“

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Seelbach, für den Landesrat der Eltern Brandenburg

Hinweis zur aktuellen Diskussion um Vertretungsunterricht

Vertretungsunterricht von minderer Qualität:

Nach der Halbjahrsstatistik 2014/15 wurden  durch Zusammenlegungen von Klassen bzw. Gruppen und 'Still'arbeit vertreten:

an den Grundschulen 55,7% des Vertretungsunterrichts,

in der Sek 1 (Mittelstufe 7. bis 10. Jahrgang) 39% und

in der Sek 2 (Oberstufe) 70,2%.

 

Zieht man die Teilungen ab, die durch die Vertretungsreserve entstanden sind, ergeben sich folgende Zahlen:

Grundschule 21,8%,

Sek 1 24,2% und

Sek 2 69,2%.

Wolfgang Seelbach, 9.5.2016

Drohender Lehrermangel: Ministerium zieht alle Register!

 

Auf der letzten Sitzung zeigten sich die Mitglieder des LER beeindruckt von der Fülle an Maßnahmen, die der Staatssekretär präsentierte, um die drohende Lücke in der Lehrkräfteversorgung zu schließen. 

  • So wird durch Verhandlungen mit der Uni Potsdam die Anzahl der Studienplätze erhöht und passgenauer gestaltet.
  • Werbefaktoren sind: "Verbeamtung; Beschäftigungsgarantie; Pflichtstundenzahl; weiche Standortfaktoren: soziale Infrastruktur in BB; günstige Mieten; Nähe zu Metropolen wie Berlin, Dresden/Leipzig, Natur und Freizeit/Ostsee".
  • Die Internet-Kommunikation wird für potentielle Bewerber(innen) verbessert.
  • Verbesserung der Betreuungsinfrastruktur: Willkommenskultur u.a. in den Schulen sowie intensive persönliche Begleitung
  • "Buschprämie": Zulagenzahlung für Bewerber in peripheren Regionen
  • Verlängerung der Dienstzeit auf freiwilliger Basis
  • Weiterbeschäftigung von Dienstkräften in Altersteilzeit
  • Mehrarbeit: Vergütung vor Zeitausgleich
  • Bessere Bezahlung wird geprüft.
  • Mehr Ausbildungsplätze für Seiteneinsteiger

 

Parallel dazu wird ein Kommunales Infrastrukturprogramm aufgelegt, das den Kommunen insbesondere bauliche Verbesserungen erleichtern soll.

 

Derzeit geht es vor allem darum, passende Lehrkräfte für die vielen neuen Stellen zu finden.

 

Nichtsdestotrotz besteht der LER auf niedrigeren Klassenfrequenzen. Bei 20 Schüler(inne)n in einer Klasse können die Lehrkräfte sich einfach besser um alle kümmern.

 

Wolfgang Seelbach, 25.4.2016

 

siehe auch den Artikel in der Märkischen Oderzeitung

Quelle: tsp

Grundschullehrer in Berlin werden knapp.

Offenbar wurde jahrelang nicht am Bedarf ausgebildet. Eine Analyse des Tagesspiegel zeigt, dass in den nächsten Jahren an den Grundschulen ein dramatischer Engpass durch Pensionierungen entsteht. Das wirkt sich sicherlich auch negativ auf Brandenburg aus.

LER-Sprecher zeigt Verständnis für die heutigen Forderungen der GEW zur „Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Dienstes“

Die GEW hat recht, wenn sie die Attraktivität des Lehrerberufes steigern will. Angesichts der wachsenden Probleme, ausreichend Pädagog(inn)en zu finden, müssen junge Menschen stärker motiviert werden, den Lehrerberuf auszuüben.

Eine gleiche Besoldung von Grund- und Oberschullehrer(inne)n würde die wichtige Arbeit an den Grundschulen aufwerten, die mit individueller Betreuung und Gemeinsamem Unterricht immer anspruchsvoller wird.

Eine wichtige Reserve bilden die beamteten Lehrkräfte, die über 65 Jahre alt aber noch fit für den Unterricht sind. Hier sollte das Beamtengesetz geändert werden um dieser Gruppe ein weiteres Unterrichten ohne Abzüge zu ermöglichen.

Bedenken habe ich jedoch bei der Schaffung von weiteren Beförderungsämtern über die Schulleitungen hinaus. Funktionsstellen sollten ein Anreiz sein, auf Zeit vergeben werden und an die erbrachte Leistung geknüpft werden. Beförderung auf Lebenszeit erreicht oft nicht den gewünschten Effekt. 

Wolfgang Seelbach, Sprecher Landesrat der Eltern, 21.1.2016

siehe auch rbb Brandenburg aktuell vom 21.1.2016: Lehrer gesucht!

Lehrkräftemangel in der Uckermark

Stellungnahme von Oliver Forstreuter, Mitglied des LER, zur Situation in der Uckermark, 21.1.2016

 

In der Uckermark existiert ein gemischtes Bild hinsichtlich des Lehrkräftemangels; an einigen Schulen sind genügend Lehrer vorhanden, so dass der Unterricht gemäß Stundentafel abgedeckt wird, an anderen Schulen existiert ein erheblicher Personalmangel der auch in absehbarer Zeit nicht behoben werden kann.

Es ist jedoch einheitlich festzustellen, dass der Lehrkräftemangel an den Schulen nicht so offensichtlich wird, weil das Schulamt regelmäßig anordnet, dass sehr große Klassenverbände gebildet werden. Trotz dieser Maßnahmen gibt es beispielsweise in der SEK II sehr oft Arbeitsaufträge oder Anweisungen zum Selbststudium über lange Zeiträume und weiterhin an allen Schulen sehr viele Ausfall- oder Vertretungsstunden.

Die insgesamt sehr knapp bemessene Anzahl der Lehrkräfte in der Uckermark muss regelmäßig in Klassen mit sehr vielen Schülern und zudem in vielen Fällen in für diese Klassenfrequenzen ursprünglich nicht vorgesehenen Räumen unterrichten. In diesem Spannungsfeld sind neben den statistisch erwartbaren krankheitsbedingten Ausfällen zusätzliche stressbedingte Ausfälle der Lehrkräfte eher die Regel als die Ausnahme und verschärfen so die allgemein schon unterdurchschnittliche Unterrichtsversorgung.

Bericht einer Elternsprecherin:

 

Zum Schuljahresbeginn 2015 fehlen … 2 Lehrer. Mitte Dezember haben wir einen Lehrer bekommen. Auf telefonische Anfrage … beim Schulamt steht kein weiterer Lehrer für unsere Schule zur Verfügung.
 

Eine 1. und eine 3. Klasse haben keinen Klassenlehrer.

 

Sportunterricht mit 4 1/2 Klassen und  2 Lehrer oder 2 1/2 Klassen mit einem Lehrer.

 

…Klassen werden aufgeteilt - in den Klassen mit Lehrer ist deshalb auch oft kein regulärer gut organisierter Unterricht mehr möglich.
… Sonderpädagogen werden für den regulären Unterricht eingesetzt, also Förderunterricht, Leistungs- und Neigungsdifferenzierung fallen aus.

 

… Wegen der wechselnden Klassenkonstellationen werden keine oder nur wenig Hausaufgaben aufgegeben.
 

Angesetzte Arbeiten und Leistungskontrollen werden nicht geschrieben und oder verschoben.
 

Im 1. Hj. findet in den 1. Klassen kein Englischunterricht statt.
 

Eltern berichten von Kindern die Bauchschmerzen haben, … die sich darum streiten wer in welche Klasse zu welchen Lehrer geht.

 

 

ergänzender Hinweis

"Wir haben KEINE Flüchtlingskinder an unserer Schule zu integrieren.

Die Schulleitung lehnt die Einstellung von Quereinsteigern ohne Grundschullehrer- Ausbildung ab."

Unterrichtsausfall: 5 Fragen Wolfgang Seelbach
Die Zeitungsseite mit dem vollständigen Interview als PDF.
Unterricht.pdf
PDF-Dokument [2.0 MB]
Bericht zur Statistik zum Unterrichtsausfall und Vertretungsunterricht vom März 2015
ABJS 2015_03_05_Bericht zu TOP 3_Ausfall[...]
PDF-Dokument [114.7 KB]
Statistik zum Unterrichtsausfall und Vertretungsunterricht
1. Hj. 2014_15_U-Ausfall_nach Kreisen.pd[...]
PDF-Dokument [17.4 KB]

Vertretungsstatistik 2014/15

Mit 9,3% ist der Vertretungsbedarf weiter angewachsen. Gleichzeitig ist die Anzahl der ausgefallenen Stunden laut Statistik auf 1,7% gesunken. Der LER begrüßt die bundesweit einmalige, detaillierte Zusammenstellung der Daten.

Wir weisen jedoch darauf hin, dass Vertretungsunterricht häufig nicht die selbe Qualität wie Regelunterricht hat. Insbesondere das Zusammenlegen von Klassen und Kursen, sowie selbständig durchgeführte Studienaufgaben in der Sek 2 ohne Lehrkräfteaufsicht sind qualitätsmindernde Maßnahmen, die immerhin ein Viertel des vertretenen Unterrichts ausmachen.

Es gibt sogar Berichte, dass Schulsozialarbeiter Aufsicht in Klassen führen. Das sollten Eltern nicht dulden und sich in solchen Fällen an das Schulamt wenden.

Die Elternvertretungen der fünf Gymnasien in Teltow-Fläming haben eine gemeinsames Protestschreiben verfasst. Sie prangern unter Anderem an, dass die Ausstattung an Lehrerwochenstunden sich verschlechtert hat. Insbesondere fehlen Stunden für:

  - für Förderung von Teilleistungsstörungen wie ADHS

  - Arbeitsgemeinschaften

  - Teilungsstunden

  - Vertretungsreserve.

Protest gegen zu wenig Lehrerstunden für Gymnasien!
Schreiben der Elternvertretungen der fünf Gymnasien in Teltow-Fläming an Minister Baaske
GYm TF an Baaske.docx
Microsoft Word-Dokument [29.5 KB]

Fehlende Schulleiter(innen),

Kommentar des Landeselternsprechers zur Antwort auf eine Kleine Anfrage zum Thema:

"Offenbar sind an einigen Schulen, deren Bestand nicht gefährdet ist, seit mehreren Jahren die Schulleiterstellen unbesetzt. Dafür habe ich kein Verständnis. Solche jahrelangen "Hängepartien" wirken sich häufig negativ auf das Schulklima aus.

Darunter leidet nicht selten das Engagement und die Motivation der Lehrkräfte.

Letztlich sind es die Schülerinnen und Schüler, die das ausbaden müssen.

Die Schulleitung hat ja nicht nur organisatorische Aufgaben, die teilweise delegiert werden können. Sie muss die Qualitätsentwicklung vorantreiben: Schulprogramm umsetzen und weiterentwickeln, Stärkung der individuellen Förderung im Unterricht, Gremienarbeit, Kommunikation mit Eltern usw.

 

Auch bei Schulen, deren Bestand gefährdet ist, wirkt sich die Nichtbesetzung einer Schulleitungsstelle demotivierend aus. Gegen Übergangslösungen von einigen Monaten ist nichts einzuwenden. Zieht sich das aber über Jahre hin, so macht sich die Stimmung breit, hier würde eine Schule bewusst kaputt gemacht."

Wolfgang Seelbach, März 2015

Antwort auf eine Kleine Anfrage zu nicht besetzten Schulleiterstellen vom 9.3.2015
Antw Anfr Schulleiterst unbesetzt.pdf
PDF-Dokument [1.9 MB]

5.3.2015, Zahlen zum Unterrichtsausfall 2014: Mehr Vertretung, weniger Ausfall

PM des Bildungsministeriums   Artikel in der MAZ   

Schon wieder: Zahlreiche Zeugnisse ohne vollständige Noten!

 

Wer gedacht hätte, dass das Problem des Unterrichtsausfalls in Brandenburg gelöst sei, sieht sich getäuscht.

 

Schon wieder sind zahlreiche Zeugnisse unvollständig, weil durch Unterrichtsausfall nicht alle Noten gegeben werden konnten. Was in der Vergangenheit zunächst als bedauerlicher Einzelfall und dann als vorübergehende Erscheinung bezeichnet wurde, ist auf dem besten Wege, zu einer Dauerkrankheit des Schulwesens zu werden: Der Unterricht kann nicht mehr im gesetzlich vorgesehenen Umfang stattfinden.  Von 2000 betoffenen Schülern ist die Rede, eine genaue Aufschlüsselung will das MBJS noch bekannt geben.

 

Da hilft es auch nicht, darauf zu verweisen, dass statistisch gesehen landesweit nur 2% ausfällt. Wenn an einer Schule über ein ganzes Halbjahr Englisch oder Musik ausfällt, ist das allenfalls ein schwacher Trost.

 

Was mich bei diesem Vorgang zusätzlich noch erschreckt, ist die Tatsache, dass Ministerum und möglicherweise Schulämter bis Mitte Januar davon nichts wussten. Erst am 22.1. ging das Ministerium an die Öffentlichkeit.

 

Hat denn die Verwaltung aus den vergangenen Halbjahren nichts gelernt? Warum wusste der Minister nichts? Warum haben die Schulämter nicht im Vorfeld Alarm geschlagen?

Es ist ja nicht das erste Mal, dass Zeugnisnoten fehlen und das Ministerium bis kurz vor Zeugnisausgabe davon nichts weiß!

 

Eltern sind jetzt aufgefordert, an den betroffenen Schulen in den Eltern- und Schulkonferenzen genau nachzufragen, wie es dazu kommen konnte und warum seitens der Schule bzw. der Schulämter keine ausreichenden Maßnahmen getroffen wurden.  Vor Ort muss außerdem geklärt werden, wie die Defizite im nächsten Halbjahr aufgearbeitet werden können.

 

Siehe auch Themen - Unterrichtsausfall .

 

Wolfgang Seelbach, Sprecher des Landesrates der Eltern Brandenburg, 25.1.2015

 

Die betroffenen Schulen (PM des MBJS vom 26.1.2015):

 

Folgende Schulen und Fächer sind betroffen:

 

Musik in Lübben FL Schule am Neuhaus, Zeuthen Gesamtschule Paul Dessau, Schorfheide Grundschule Lichterfelde, Dahlewitz (Blankenfelde-Mahlow) Ober-schule Herbert Tschäpe.

 

WAT (Wirtschaft, Arbeit, Technik) in Perleberg Oberschule Friedrich-Gedike, Blankenfelde-Mahlow Oberschule Herbert Tschäpe und Templin Oberschule Templin,

 

NW (Naturwissenschaften) in Perleberg Oberschule Friedrich-Gedike,

 

LER in Hennigsdorf Albert Schweitzer-Oberschule, Templin Goethe-Grundschule, Zeuthen Gesamtschule Paul Dessau und Bernau Barnim-Gymnasium;

 

Kunst an der 1. Oberschule Velten, Rathenow Duncker-Oberschule, Schwedt Talsand-Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe;

 

Sport in Rathenow Duncker-Oberschule;

 

Physik in Falkensee Kant-Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und in Wünsdorf (Zossen) Oberschule;

 

Informatik in Falkensee Kant-Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe;

 

Religion in Falkensee Grundschule am Gutspark Europaschule und Velten Bollhagen-Gymnasium;

 

Geschichte in Zeuthen Gesamtschule Paul Dessau sowie

 

Biologie in Cottbus Oberschule Sachsendorf. 

 

 


Der LER hat auf seiner Sitzung am 6.9.2014 beschlossen, den Protest zu unterstützten und fordert einen Erhalt der Kunstlehrerausbildung.

 

"Aufruf zum Erhalt der Ausbildung von Kunstlehrer_innen an der Universität Potsdam

 

Mangel an Kunstlehrer_innen in Brandenburg

Die Universität Potsdam ist derzeit die einzige Ausbildungsstätte für Kunstlehrer_innen in Brandenburg. 2011 wurde diese Ausbildung bereits auf das Studium des Grundschullehramts Kunst beschränkt, so dass Brandenburgs weiterführende Schulen bereits jetzt auf Absolvent_innen anderer Bundesländer angewiesen sind. Nach der Unterzeichnung des Hochschulvertrags steht nun fest, dass auch der Studiengang Kunst im Primarbereich durch Mittelkürzungen entfällt und mithin im gesamten Bundesland keine Kunstlehrer_innen mehr ausgebildet werden.

Im Vergleich zum Studium anderer Unterrichtsfächer gibt es deutschlandweit ohnehin nur wenige Ausbildungsstätten für Kunstpädagogik und ästhetische Bildung. Die Zahl der Absolvent_innen ist durch die geringe Anzahl an Studienplätzen und deren Vergabe über Eignungsprüfungen stark begrenzt. In Brandenburg ist kurz- und mittelfristig für allen Schulformen ein Mangel an qualifiziertem Personal im Fach Kunst absehbar – er ist zum Teil schon vorhanden.

Die Notwendigkeit von Kunstunterricht

Kunstunterricht ist ein zentraler Bestandteil der allgemeinen und grundlegenden Bildung. Er befähigt Kinder und Jugendliche, nicht nur Bilder und Objekte, sondern auch Prozesse und Situationen als gestaltet zu verstehen und sie in kulturellen Zusammenhängen und in alltäglichen Situationen differenziert zu reflektieren. Um kulturelle Kompetenz und eine eigenständige, medienkritische und selbstbewusste Haltung zu entwickeln, ist eine fachgerechte schulische Förderung im Kunstunterricht für Kinder und Jugendliche unverzichtbar.

Qualifizierter Kunstunterricht trägt entscheidend zur Entwicklung ästhetischen Wahrnehmens und Denkens bei. Die Ausbildung spezifisch künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten in den bildenden und darstellenden Künsten wie Malerei, Installation, Film oder Performance, aber auch in angewandten Künsten wie Design oder Architektur kann nur durch künstlerisch und fachdidaktisch professionell qualifizierte Kunstlehrer_innen gewährleistet werden.

Um alle Kinder und Jugendlichen – auch im Sinne eines inklusiven Leitgedankens – chancengleich zu erreichen, ist dieser Bildungsbeitrag nur an allgemeinbildenden Schulen zu leisten.

Kunstunterricht in der Grundschule

Insbesondere in der Primarstufe werden im Kunstunterricht wichtige Grundlagen für ein tiefgreifendes Verständnis von gestalterischen und künstlerisch-ästhetischen Prozessen angelegt. Kunstpädagogisch ausgebildete Lehrende unterstützen Kinder bei der Entwicklung individueller Wahrnehmung, Aneignung und Gestaltung ihrer Umwelt. Gerade für Kinder im Grundschulalter sind dabei künstlerisch-ästhetische Wege im Sinne eines offenen forschenden Erkundens und Lernens von besonderer Bedeutung.

Um diese Qualität von Kunstunterricht auch weiterhin für das Bundesland Brandenburg zumindest im Primarbereich zu sichern, ist der Erhalt der Ausbildung im Fach Kunst an der Universität Potsdam eine grundlegende Voraussetzung.

 

Die Lehrenden des Faches Kunst an der Universität Potsdam"

Beispiel Teltow: Kommunal geht kurzfristige Vertretung mit entsprechendem Budget offenbar unbürokratischer. Bericht der pnn vom 6.5.2014 

Lehrkräfteversorgung: Kraftakt offenbar gelungen

20.8.2014 Nach einer Mitteilung der Bildungsministerin und schon vorher durchgesickerten Presseinformationen (Berichten der pnn und des Tagesspiegels) ist die Lehrkräfteversorgung durch die Rekordeinstellung von 900 neuen Lehrerinnen und Lehrern sichergestellt.

Wolfgang Seelbach, Sprecher des LER: "Wir freuen uns außerordentlich, dass dieser Kraftakt gelungen ist und zollen den verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ministeriums unseren Respekt. Einfacher wäre es sicher gesesen, wenn die Landesregierung sich in den letzten Jahren durchgerungen hätte, schon vorausschauend einzustellen. Wir werden jetzt genau beobachten, wieviele Lehrkräfte tatsächlich an den Schulen ankommen und wie es mit der Versorgung auf dem Lande und in Mangelfächern aussieht. Eine wichtige Aufgabe wird es sein, die Seiteneinsteiger einzuarbeiten. Mit Fachleuten, die pädagogisch nicht oder wennig qualifiziert sind, wurden in den vergangenen Jahren nicht immer gute Erfahrungen gemacht."

Nach Angaben des Ministeriums werden 400 Lehrkräfte eingestellt, um die Arbeitszeitverkürzung von einer Unterrichtsstunde an Grund- und Oberschulen auszugleichen. Ca. 500 Lehrkräfte werden eingestellt, um die Abgänge zu kompensieren. Die Entlastung von Gymnasial-, Gesamtschul- und Berufsschullehrern werde weitere 300 Einstellungen zum nächsten Schuljahr zur Folge haben.

Download
PM des Ministeriums
2014 Einstellung 900 Lehrkräfte.doc
Microsoft Word-Dokument [93.0 KB]
Junge Lehrkräfte braucht das Land! Foto: dpa

1000 neue Lehrer

Zur gestrigen dpa-Meldung, dass das Land Brandenburg 1000 neue Lehrkräfte braucht und das Land eine Werbekampagne startet, erklärt der Sprecher des LER, Wolfgang Seelbach:

"Wir wünschen dem Ministerium viel Erfolg für diese Herkulesaufgabe, denn eine ausreichende Versorgung mit Lehrkräften ist die wichtigste Grundlage für die Ausbildung unserer Kinder. Viel hängt jetzt davon ab, ob die abgewiesenen Lehrer aus Bayern und anderen Bundesländern ihren Weg nach Brandenburg finden. Wenn die Willkommenskultur nicht den gewünschten Erfolg zeigt, sollte das Land darüber nachdenken, finanzielle Anreize für Lehrer zu schaffen, die in den ländlichen Raum gehen.

 

In diesem Jahr ist der Bedarf nicht nur durch die schon länger prognostizierten gut 400 Stellen entstanden, sondern durch Stundenreduktion und mehr Vertretungsreserve - Maßnahmen, die wir begrüßen.

 

Im nächsten Jahr entspannt sich die Lage nicht, im Gegenteil: nach den Prgnosen der Demografiekommission werden im Sommer 2015 wieder die gleiche Anzahl neuer Lehrkräfte benötigt.

 

Es rächt sich jetzt, dass die Regierung in den vergangenen Jahren keinen Einstellungskorridor geschaffen hat, sondern die Neueinstellungen nur sehr knapp am jeweils aktuellen Bedarf kalkuliert hat." 29.1.2014

Demografiebericht, Seite 29      Artikel in der MAZ     Artikel in der moz

Die Aufstockung der Vertretungsreserve war in den letzten Jahren eine der Hauptforderungen der Elternschaft. 

Ab dem neuen Schuljahr 2014 soll die Aufstockung der Vertretungsreserve von 3% auf 4,5% greifen. Die Hälfte der zusätzlichen Mittel werden für Neueinstellungen verwendet, die andere Hälfte geht an die Schulen in Form eines flexibel einsetzbaren Budgets. 100 neue Lehrkräfte werden eingestellt. Die Schulen erhalten darüber hinaus einen Sockel von mindestens 3000 Euro, um kurzfristige Vertretungen zu realisieren. Größere Schulen erhalten bis zu 16000 Euro. Ein Nachtragshaushalt musste eingerichtet werden.

Die Regelung wird grundsätzlich in Elternkreisen begrüßt, geht jedoch nach Auffassung der Elterngremien nicht weit genug. Unsicher ist auch, ob ausreichend Teilzeit-Vertretungskräfte auf dem Markt zu finden sind. Der Landeselternrat hatte in der Vergangenheit eine Erhöhung auf 6% gefordert. Infos zur aktuellen Aufstockung vom Bildungsministerium.

 

Eine weitere Forderung der Elternschaft ist die Senkung der Klassenfrequenzen. Wenn in Zukunft mehr individuell gefördert werden soll muss das Lehrer-Schüler-Verhältnis weiter verbessert werden.

 

Aktuell steht Brandenburg jedoch vor der großen Aufgabe, ausreichend Lehrkräfte für die kommenden Jahre zu finden. Allein im nächsten Schuljahr müssen ca. 1000 neue Lehrkräfte eingestellt werden, um die Abgänge, die Reduzierung der Arbeitszeit bei Grund- und Oberschullehrkräften und die erhöhte Vertretungsreserve auszugleichen.

Siehe auch die Petitionen der Kreiselternräte aus LOS und HVL seel

 

Verweise:

Elternqualifizierung vom LISUM Stand Jan 2017
Newsletter-Partizipation 2016-01.pdf
PDF-Dokument [1.2 MB]
informative und leicht verständliche Broschüre des MBJS Alles zur Mitwirkung
Elternqualifizierung für Mitwirkung
Landesverband schulischer Fördervereine
Integration der zu uns Geflüchteten
Vernetzungsstelle Schulverpflegung Brandenburg
Elternuni 2007 - 2013
AWO-Broschüre des Projektbeirates Inklusion
Bundeselternvertretung Kitas
Bildungsministerium Brandenburg

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